Irak-Krieg

Der Schweizer Friedensforscher und Historiker Dr. Daniele Ganser erklärt in diesem Vortrag vom Mai 2017 in Hamburg, warum der völkerrechtswidrige Krieg gegen den Irak ein Erdöl-Beutezug der USA war.

Der ehemalige US-Aussenminister Colin Powell gab 2005 gegenüber dem US-Fernsehsender ABC zu, dass die Behauptungen, die er 2003 im UN-Sicherheitsrat vorbrachte, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzen würde, gelogen waren. Dies sei ein „Schandfleck“ in seiner Karriere, sagte Powell gegenüber ABC. Nachzulesen in diesem Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen vom 09.09.2005.

Der ehemalige US-Finanzminister Paul O‘Neill berichtete 2004 beim US-Fernsehsender CBS, dass nur wenige Tage nach der Amtseinführung von George W. Bush in der ersten Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates rund acht Monate vor den Anschlägen am 11. September 2001 bereits das Thema Krieg gegen den Irak ganz oben auf der Tagesordnung gestanden habe. Zwei Tage später bei der nächsten Sitzung, so O’Neill, sei die Diskussion fortgesetzt worden. Er habe interne Memoranden erhalten, darunter eines, in dem ein Plan für den Irak nach dem Sturz Saddams entworfen worden sei. Nachzulesen in diesem Artikel bei Spiegel-Online vom 12.01.2004.

Diese ARD-Reportage zeigt auf, dass die grössten Spenden für den Wahlkampf von George W. Bush zum Gouverneur von Texas und später zum US-Präsidenten aus der Energie- und Erdölindustrie kamen. Da wundert es nicht, dass nach seiner Amtseinführung im Jahr 2001 die wichtigsten Ämter in seinem Kabinett von hochrangigen Mitgliedern aus genau dieser Branche besetzt wurden, und er sich fortan innen- wie aussenpolitisch massiv für ihre Interessen einsetzte.

Am 2. August 1990 griff der Irak mit ungefähr 100.000 Soldaten Kuwait an. Vier Tage später setzten daraufhin die USA am 6. August 1990 mit der Resolution 706 im UNO-Sicherheitsrat die umfassendsten Wirtschaftssanktionen durch, die jemals verhängt wurden. Obwohl formal ausgenommen, waren davon auch die Importe von Medikamenten, Hospitalbedarf und Lebensmitteln betroffen, da der Irak aufgrund der gesperrten irakischen Auslandskonten zahlungsunfähig war. Die Sanktionen waren allerdings nur der Auftakt zu einem Krieg, der in 43 Tagen den größten Teil der irakischen Infrastruktur zerstörte. Ende Februar 1991 kapitulierte der Irak und zog seine Truppen aus Kuwait zurück. Doch obwohl der Irak schließlich alle Forderungen des Sicherheitsrates erfüllt hatte, wurden die Sanktionen nicht aufgehoben, sondern mit neuen Forderungen verknüpft, darunter Offenlegung und Einstellung aller Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen. Die Folgen durch das Embargo vor allem für die schwächsten Glieder der Gesellschaft waren absehbar: Zuvor gut beherrschte Krankheiten breiteten sich rapide aus, die bis dahin vorbildlichen unentgeltlichen Gesundheits- und Bildungssysteme lagen am Boden. Tim Dyson, Professor für Bevölkerungswissenschaften an der London School of Economics, kam in einer Studie von 2006 zu dem Schluss, dass zwischen 1990 und 2003 etwa 660.000 bis 880.000 irakische Kinder unter fünf Jahren aufgrund des Zusammenbruchs der irakischen Ökonomie gestorben sind. In der US-TV-Show „60 Minutes“ am 12. Mai 1996 fragte Lesley Stahl die US-Außenministerin Madeleine Albright: "Wir haben gehört, daß eine halbe Million Kinder gestorben sind (wegen der Sanktionen gegen den Irak) Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und - sagen Sie, ist es den Preis wert?" Schaut Euch die Antwort der damaligen US-Aussenministerin Madeleine Albright an…